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Klar, entschieden und zutiefst liebevoll.

Aktualisiert: 15. Mai


Als ich damit begann, achtsames Selbstmitgefühl (MSC) zu praktizieren und zu unterrichten, war ich vor allem berührt von seiner Sanftheit. Endlich - und vielleicht das erste Mal in meinem Leben - habe ich mir wirklich erlaubt innezuhalten und mich zu trösten, wenn es mir nicht gut ging. Ich habe praktische Tools bekommen, um freundlicher und mitfühlender mit mir umzugehen.

Mit der Zeit gelingt es mir immer öfter, mich mir selbst in schwierigen Augenblicken von Erschöpfung, Krankheit und Selbstkritik wohlwollend zuzuwenden. Dieses nährende, liebevolle Selbstmitgefühl hat mein Leben verändert und meine Arbeit tief geprägt.


Und irgendwann tauchten Fragen auf, bei mir selbst und bei Kursteilnehmer*innen.

Was ist mit den Situationen, in denen Sanftheit allein nicht ausreicht. Wie oft sagen wir freundlich „Ja“, obwohl der Körper schon längst „Nein“ sagt. Vor allem auch, wenn wir als Frauen sozialisiert wurden. Wie oft schweigen wir, obwohl innerlich etwas protestiert und unsere Grenzen schon überschritten wurden. Wie kann uns Selbstmitgefühl helfen, ins Handeln zu kommen und für uns selbst einzustehen?


Und dann begann das nächste Abenteuer: Die kraftvolle Dimension des Selbstmitgefühls.


Selbstmitgefühl als Fundament

Als alleinerziehende Mutter einer 10-jährigen Tochter habe ich mir 2016 in Deutschland eine neue Existenz geschaffen. Mich zurechtfinden, die Selbstständigkeit aufbauen, mein Kind durch das Leben begleiten – all das gelang mir. Und meine eigenen Bedürfnisse stellte ich immer wieder hinten an. Mein Körper reagierte irgendwann mit völliger Erschöpfung und Krankheit.


Diese schwierigen Momente anzuerkennen, ohne mich dafür zu verurteilen ist der erste Schritt. Mir eingestehen, dass ich nicht mehr kann oder erschöpft bin.


Der zweite Schritt, das gemeinsame Menschsein zu würdigen, holt uns aus dem Gefühl der Isolation: Schwieriges gehört auch zum Leben. Anderen Alleinerziehenden geht es ähnlich wie mir. Es ist nichts falsch mit mir. Ich bin nicht alleine.


Mich dann selbst trösten, mit lieben Worten oder einer Geste - einfach weil es schwierig ist - war und ist meine gelebte Alltagspraxis. Diese zuerst "ungewohnte" Selbstfreundlich lässt sich erlernen. Uns selbst geben, was wir nie bekommen haben ist ein Geschenk, das wir uns wieder und wieder machen können. Mit der Zeit verändert es die Art, wie wir mit uns selbst sprechen und für uns sorgen.


Grenzen setzen – ein Akt der Selbstachtung

Selbstmitgefühl wird meist vor allem mit Weichheit, Wärme und Nachsicht verbunden. Doch echtes Mitgefühl für uns selbst schließt auch ein, Grenzen zu ziehen.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Freundin, in dem etwas für mich nicht stimmte. Früher hätte ich vielleicht geschwiegen und mich später innerlich geärgert. Mittlerweile kann ich mir schneller eingestehen, wie es mir tatsächlich geht und mit etwas Mut auch ruhig ansprechen, was für mich nicht in Ordnung war.


Nicht aus einem Gefühl der Angst, Wut oder aus Rechtfertigung, sondern weil ich mein eigenes Erleben würdige. Und mich genügend sicher fühle, es auch anzusprechen.

Das ist kraftvolles Selbstmitgefühl in Aktion. Klar, entschieden und zutiefst liebevoll.


Wut als lebendige, schützende Kraft

In vielen von uns wurde Wut früh unterdrückt – später auch machmal in spirituellen oder helfenden Kontexten. Durch beherztes Selbstmitgefühl lernen wir, dem Gefühl von Wut erst einmal Raum zu geben und es dann, wenn es gewürdigt wurde, als Verbündete zu verstehen. Wenn Wut mit Achtsamkeit und Mitgefühl gehalten wird, wird sie nicht zerstörerisch. Sie zeigt uns, wo etwas geschützt werden will, wo ein Bedürfnis übergangen wurde.

Wir können lernen, die Wut zu fühlen und ihr zuzuhören:

Was ist hier wichtig?

Wofür stehe ich ein?

So wird aus Wut eine lebendige Kraft, die uns aufrichtet – nicht verhärtet.


Wenn Selbstmitgefühl ins Handeln führt

Wenn wir die Kraft des Selbstmitgefühls erlauben, entsteht eine natürliche Bewegung nach außen. Ich erlebe das immer wieder – bei mir selbst und bei Menschen in den Kursen. Es entsteht der Mut, die eigene Stimme zu erheben: In Beziehungen, in der Arbeit, in gesellschaftlichen Zusammenhängen.

Kraftvolles Selbstmitgefühl hilft uns, Veränderung zu wagen.


Selbstfürsorge und Motivation

Kraftvolles Selbstmitgefühl zeigt sich im Alltag, wenn wir bewusst für uns sorgen: Eine Pause machen, obwohl noch etwas zu tun wäre. Ein Gespräch führen, das ich lange vermieden habe. Ein Nein aussprechen, obwohl ich Angst habe, jemanden zu enttäuschen oder abgewiesen zu werden.

Das sind keine großen Gesten. Aber sie verändern etwas Grundlegendes: Ich beginne, mich selbst ernst zu nehmen. Daraus entsteht auch echte Motivation: Wir handeln, weil uns unser Wohl am Herzen liegt, nicht aus einem Gefühl von Druck oder Schuld.


Sanft und kraftvoll

Der Weg des Selbstmitgefühls lädt uns ein, die Sanftheit des Herzens zu fühlen und kraftvoll für uns einzustehen. Es ist eine balancierte und fürsorgliche Kraft, die nachhaltige Veränderung bewirkt.

Wir hören uns wirklich zu und nehmen uns ernst.

Wir schützen das, was uns wichtig ist.

Wir handeln – nicht gegen uns oder andere, sondern um lebendige menschliche Verbindungen zu schaffen und die Veränderung in die Welt zu bringen, die uns wirklich am Herzen liegt.


Durch diese angeleitete Meditation kannst du die beiden Aspekte des Selbstmitgefühls auf eine verkörperte Weise zu erleben.


Der auf der Arbeit von Kristin Neff basierende Fierce Self-Compassion FSC Kurs (in deutsch Beherztes Selbstmitgefühl) bietet einen geschützten Rahmen, um die kraftvolle Dimension des Selbstmitgefühls gemeinsam mit anderen zu erleben und zu erforschen – eingebettet in Achtsamkeit, Meditation, gemeinsames Erforschen, Austausch und ganz konkrete Übungen für den Alltag.



 
 
 

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