Präsent, klar und zutiefst liebevoll.
- Wiebke Pausch

- vor 17 Stunden
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Aktualisiert: vor 3 Stunden

Als ich begann, achtsames Selbstmitgefühl (MSC) zu praktizieren und zu unterrichten, war ich vor allem berührt von seiner Sanftheit. Endlich - und vielleicht das erste Mal in meinem Leben - habe ich mir erlaubt innezuhalten, mich selbst zu trösten und freundlicher mit mir sein. Mit der Zeit auch immer öfter in schwierigen Augenblicken von Erschöpfung, Krankheit oder Selbstkritik. Dieses nährende, liebevolle Mitgefühl für mich selbst hat mein Leben verändert und meine Arbeit tief geprägt.
Und doch merkte ich mit der Zeit: Es gibt Situationen, in denen Sanftheit allein nicht ausreicht. Wie oft ich „Ja“ sage, obwohl mein Körper längst „Nein“ flüstert. Oder wenn ich schweige, obwohl innerlich etwas protestiert und meine Grenzen überschritten werden.
Und dann begann das nächste Abenteuer: Die kraftvolle Dimension des Selbstmitgefühls.
Selbstmitgefühl als Fundament
Als alleinerziehende Mutter einer 10-jährigen Tochter habe ich mir 2016 in Deutschland eine neue Existenz geschaffen. Mich zurechtfinden, die Selbstständigkeit aufbauen, mein Kind durch das Leben begleiten – all das gelang mir. Doch meine eigenen Bedürfnisse stellte ich immer wieder hinten an. Mein Körper reagierte irgendwann mit völliger Erschöpfung.
Mir selbst auch in diesen schweren Momenten liebevoll zu begegnen, war und ist meine Alltagspraxis. Mitgefühl und Freundlichkeit sind das Fundament für eine klare innere Haltung, um auch den kraftvollen Aspekten des Selbstmitgefühls Raum geben zu können und ins Handeln zu kommen.
Grenzen setzen – ein Akt der Selbstachtung
Viele Menschen verbinden Selbstmitgefühl vor allem mit Nachsicht und Wärme. Doch echtes Mitgefühl für uns selbst schließt auch ein, Grenzen zu ziehen.
Ich erinnere mich an ein Gespräch, in dem etwas für mich nicht stimmte. Früher hätte ich geschwiegen und mich später innerlich geärgert. Diesmal spürte ich den Boden unter den Füßen, den Atem, eine Aufrichtung des Körpers und sprach ruhig, aber bestimmt aus, was für mich nicht in Ordnung war.
Nicht aus Angriff oder aus Rechtfertigung.
Sondern aus Selbstrespekt.
Das ist kraftvolles Selbstmitgefühl in Aktion. Klar, entschieden und zutiefst liebevoll.
Wut als lebendige, schützende Kraft
In vielen von uns wurde Wut früh unterdrückt – später auch oft in spirituellen oder helfenden Kontexten. Durch Fierce Self-Compassion lernen wir, dem Gefühl von Wut erst einmal Raum zu geben und es dann, wenn es gewürdigt wurde, als Verbündete zu verstehen. Wenn Wut mit Achtsamkeit und Mitgefühl gehalten wird, wird sie nicht zerstörerisch. Sie zeigt uns, wo etwas geschützt werden will, wo ein Bedürfnis übergangen wurde.
Wir können lernen, die Wut zu fühlen und ihr zuzuhören:
Was ist hier wichtig?
Wofür stehe ich ein?
So wird aus Wut eine lebendige Kraft, die uns aufrichtet – nicht verhärtet.
Wenn Selbstmitgefühl ins Handeln führt
Wenn wir die Kraft des Selbstmitgefühls erlauben, entsteht eine natürliche Bewegung nach außen. Ich erlebe das immer wieder – bei mir selbst und bei Menschen in den Kursen – dass aus dieser Praxis der Mut entsteht, die eigene Stimme zu erheben: in Beziehungen, in der Arbeit, in gesellschaftlichen Zusammenhängen.
Kraftvolles Selbstmitgefühl hilft uns, Veränderung zu wagen.
Selbstfürsorge und Motivation
Kraftvolles Selbstmitgefühl zeigt sich im Alltag, wenn wir bewusst für uns sorgen – eine Pause einlegen, eine ungesunde Gewohnheit einstellen, ein Nein aussprechen oder einen nächsten Schritt tun. Aus dieser Selbstfürsorge entsteht echte Motivation: Wir handeln, weil uns unser Wohl am Herzen liegt, nicht aus Druck oder Schuld.
Sanft und kraftvoll
Der Weg des Selbstmitgefühls lädt uns ein, die Sanftheit des Herzens zu fühlen und kraftvoll für uns einzustehen. Es ist ein fürsorgliche Kraft, die nachhaltige Veränderung bewirkt.
Wir hören uns wirklich zu und nehmen uns ernst.
Wir schützen das, was uns wichtig ist.
Wir handeln – nicht gegen uns oder andere, sondern für das Leben.
Durch diese angeleitete Meditation kannst du die beiden Aspekte des Selbstmitgefühls auf eine verkörperte Weise zu erleben.
Der auf der Arbeit von Kristin Neff basierende Fierce Self-Compassion FSC Kurs (in deutsch Beherztes Selbstmitgefühl) bietet einen geschützten Rahmen, um die kraftvolle Dimension des Selbstmitgefühls gemeinsam mit anderen zu erleben und zu erforschen – eingebettet in Achtsamkeit, Meditation, Austausch und konkrete Übungen.


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