Du darfst dich jetzt hinlegen
- Wiebke Pausch

- 11. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Was passiert in dir, wenn du die Worte hörst: „Du darfst dich jetzt hinlegen“?
Für viele von uns ist die unmittelbare Reaktion keine Entspannung, sondern eine Welle von Stress und eine sofortige Liste an Argumenten, warum das gerade nicht möglich ist.
Wir leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft, die von Optimierung besessen ist und uns vermittelt, dass wir uns unser Daseinsrecht ständig neu verdienen müssen. Wir behandeln Ruhe wie eine Belohnung am Ende einer endlosen To-do-Liste.
Doch was hält uns eigentlich davon ab, zur Ruhe zu kommen?
Oft wissen wir schlicht nicht, wie das geht – besonders wenn wir allein sind. Wir wenden uns Bildschirmen zu, um abzuschalten, doch das verstärkt die körperliche Anspannung nur. Diese mentale Überlastung, befeuert durch Negativität und die Illusion des Mangels, suggeriert uns ständig, dass wir nie genug leisten. Das führt dazu, dass wir uns überfordert, hilflos und von unserem Körper entfremdet fühlen.
Infolgedessen gehen wir alles mit großer Anstrengung an und verwandeln selbst Momente der Muße in subtile Arenen des Strebens und der Selbstoptimierung. Sogar unsere spirituelle Praxis wird zu einer weiteren Aufgabe, bei der wir hart arbeiten, um Ruhe oder Erleuchtung „zu erreichen“.
Für viele von uns – mich eingeschlossen, mit einem Hintergrund aus der Arbeiterklasse, Traumaerfahrungen und dem zusätzlichen Minderheitenstress als queere Person – ist Überaktivität zum Überlebensmodus geworden. Wenn das Nervensystem darauf programmiert ist, stets auf der Hut zu sein, kann es sich geradezu gefährlich anfühlen, aus dieser ständigen Wachsamkeit herauszutreten. Ein echtes Gefühl der Ruhe zu finden ist daher kein Luxus, sondern eine lebensnotwendige Praxis.
Kollektives Ruhen
In der Radical Rest-Praxis lassen wir das erschöpfende „Tun“ hinter uns – sei es im Sitzen, Gehen oder Liegen. Ausruhen erfordert Vertrauen: Wenn wir uns der Schwerkraft hingeben, erlauben wir der Erde, uns zu tragen. Indem wir das innere Rennen und Kämpfen für einen Moment aufgeben, lösen wir uns aus unserem verkrampften, isolierten Selbstbild. Wir kehren zurück zur Unmittelbarkeit des Lebens. Zum lebendigen Sein. Genau hier und jetzt.
In einem gemeinsamen Übungsraum reguliert sich unser Nervensystem; unsere inneren Alarmsysteme dürfen endlich zur Ruhe kommen. Wir müssen innehalten, um uns wieder mit den tiefsten Sehnsüchten unseres Herzens zu verbinden – für uns selbst, für andere und für diesen Planeten.
Tiefe Ruhe bringt uns in Kontakt mit dem, was wirklich wesentlich ist. Sie ermöglicht es uns, nicht mehr voller Angst oder Erschöpfung durch die Welt zu gehen, sondern aus einem Ort der Klarheit und Inspiration heraus zu handeln. Letztendlich ist ein ausgeruhter, geerdeter Mensch eine kraftvolle Quelle für nachhaltige Veränderungen.
Vielleicht reicht es gerade einfach aus, ein Mensch auf dieser Erde zu sein. Du darfst dich jetzt hinlegen.
Hier findest du das nächste Radical Rest Retreat. Sei willkommen !



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