Gefangen im Netz. Teil 2


Foto: Bekky Bekks

Doomscrolling

Für dieses Wort gibt es keine Übersetzung ins Deutsche. “Sich in die Verdammnis/das Verderben scrollen”. Es beschreibt das endlose Konsumieren von negativen und bedrohlichen Nachrichten auf dem Internet.


Krieg in Europa, eine zutiefst bedrohliche und unüberschauliche Situation, die extreme Gefühle in uns auslöst. Angst, Überforderung, Unsicherheit und Ohnmacht, um nur einige zu nennen. Wir beginnen damit, auf allen Kanälen nach Informationen zu suchen. Die Flut an bedrohlichen Nachrichten bricht nie ab und wir verbringen im schlimmsten Fall viele Stunden auf dem Internet in der Hoffnung, endlich etwas Klarheit zu bekommen und damit vielleicht wenigstens ein Gefühl von Kontrolle.


Unser Gehirn ist darauf optimiert, intensiv und schnell auf negative Nachrichten zu reagieren. Ein Instinkt, um uns zu beschützen und unser Überleben zu sichern. Dauerhafter Extremstress für den Körper.

Eine Negativspirale, die uns mit jeder schlechten Nachricht noch mehr in diesen Teufelskreis hineinzieht und nicht nur isoliert und handlungsunfähig macht, sondern auch eine Gefahr für unsere mentale Gesundheit darstellt.


Krieg in Europa. Das löst bei mir Angst, Wut und Trauer aus. Es ist momentan für viele von uns auch eine emotionale Gratwanderung. Wie informiert bleiben und nicht dem Sog des immer "Weiterscrollens" zu verfallen. Denn genau das ist es, was passiert, wenn ich NICHT bewusst stoppe und das Smartphone weglege.

Noch mehr Informationen werden die bedrohlichen Gefühle nicht beruhigen, sondern sie verstärken.


Die Angst und Überforderung, die Traurigkeit und die Wut wollen gefühlt werden. Brauchen Erlaubnis und möchten als ganz menschliche Reaktionen auf Krieg und Leid anerkannt und gewürdigt werden. Diese Art der Selbstfürsorge verbindet mich wieder mit mir, lässt mich den Boden unter meinen Füßen spüren und verankert mich in meiner Kraft. Bereit zu handeln und zu tun, was es in solch einer Situation zu tun gibt.






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