Nichtwissen



Nichtwissen kann sich unerträglich anfühlen. Nicht mehr wissen wohin und wie weiter im Leben. Bedrohlich, kein fester Boden mehr, alles bricht weg. Die gewohnte Struktur fällt in sich zusammen. Der Lebensplan macht keinen Sinn mehr.


Sich das einzugestehen braucht Mut. Und doch passiert es einfach irgendwann. Oft in der Mitte des Lebens. Die Unzufriedenheit ist drängend geworden.

Veränderungsdruck.


Alles schreit nach Handeln. Eine Lösung finden. Einen Plan. Ein neues Leben. Jetzt. Sofort.


Wilder Aktionismus setzt ein. Die Ungewissheit ist unerträglich. Neuer Job, neue Ausbildung, neue Beziehung, neue Umgebung, gleich ganz Aussteigen?

Stunden auf dem Internet, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der schnelle Weg, der die Verwirrung noch verstärkt.


Vielleicht gibt es keine Abkürzung.


Nichtwissen birgt Unsicherheit, Angst, Zweifel und Obskurität. Doch auch Geheimnis, Rätsel und das Potential des Zukünftigen.

Dem Nichtwissen Raum geben. Sich mitten hineinsetzen in diesen Raum. Ausatmen. Es würdigen. Sich Zeit lassen.


Nichtwissen als Geburtsort von Innovation, Kreativität und Veränderung. Als Ausgangspunkt für das Abenteuer in neue, unbekannte Gefilde.


"Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst kriegen wir eine, die wir nicht wollen."

Joseph Beuys


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© Wiebke Pausch 2020